24 Knappalöcher

Chnappalöcher heißen sie eigentlich. Sie sind die Überreste einer längst vergangenen Zeit, als die Einkünfte so kärglich waren, dass selbst der schmale Ertrag aus dem Abbau von Silber, Galmei und Zinkblende lohnenswert erschien. Die Arbeit war hart, die Abbaugebiete entlegen, die Aufsicht sporadisch. Also brachten die Knappen, die mit dem Bergbau betraut waren, ihre Tage oft dösend an den sonnigen Hängen herum, nicht selten sturzbetrunken. Sie wussten, wie gefährlich es war, betrunken in die tiefen Schächte zu kriechen und mit ungeeignetem Werkzeug umständlich nach dem begehrten Metall zu graben. Es hatte schon genügend Unfälle gegeben, was den gefährlichen Job nicht gerade attraktiv machte. So musste also der Aufseher von der Burg öfters als ihm lieb war nach dem Rechten sehen, und wanderte schon fluchend von der Gstütalpe, wo vermutlich die Kohlenmeiler standen, los, um dann bei den Chnappalöchern ordentlich loszuwettern. Die jungen Burschen waren aber durch seine Flüche, die der Wind über die Hänge trug, längst gewarnt und verschwanden, betrunken oder nüchtern, rechtzeitig im Inneren der Stollen, bevor der wütende Patron in Sichtweite war. Zwei von ihnen waren eines Tages in der Eile unglücklich ins Rutschen gekommen und rissen auf der Suche nach Halt einen Balken um. Mit dem Stützbalken brach auch der Stollen über den beiden Burschen zusammen. Sie wurden später geborgen und in weißen Totenhemden beerdigt. Seither sieht man sie manchmal aus dem Stollen klettern. Solange sie sich unbemerkt glauben, plaudern sie angeregt und wirken ganz zufrieden. Sie tragen die unbeschmutzte, weiße Tracht ihrer Beerdigung und bewegen sich mit unheimlicher Behändigkeit, wohin ihre Gedanken sie gerade tragen. Nur wenn sie sich beobachtet wissen, legen sie mit fürchterlichem Gejammer los und geben eine rechte Vorstellung unglücklich Verschütteter.

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