10 Pazüelbach

Der Pazüelbach fällt weiter unten über eine steile Felskante in die Tiefe. Wasserfälle sind seit je ein Tummelplatz für alles, was in der Zwischenwelt Rang und Namen hat. Hier bietet sich dem Wanderer mit etwas Glück eine seltene Gelegenheit. Die herabstürzenden Wasser sind nämlich bei konzentrierter Betrachtung ein Spiegel in die eigene Befindlichkeit. Sie zeigen so manches Schreckensbild der Gier, der Verachtung oder des Jammers, deren Züge oft eine frappante Ähnlichkeit mit dem Betrachter aufweisen. Diese Gespenster hängen mit Nabelschnüren an der eigenen Person, und sie flüstern unentwegt den Namen ihres Schöpfers oder ihrer Schöpferin. Das ist ein hilfreicher Hinweis, denn mit der Erkenntnis, dass die meisten Schreckgestalten aus dem eigenen Gefühlsreigen entstehen, hat man auch den Schlüssel für ihre Befreiung in der Hand. Aber nicht alle Menschen möchten ihre heulende Gesellschaft einfach loswerden – in Wahrheit nimmt sich kaum jemand die Zeit, lange genug in den Wasserspiegel zu starren, um sich darin zu erkennen. Stattdessen kann man unbesorgt über den kleinen Steig spazieren und den Gesang des Wassers auf sich wirken lassen.

>> Zur Karte
>> Alle Tipps anzeigen