13 Wasserscheide

Die Wasserscheide am Flexenpass war von Alters her ein beliebter Spielplatz der Hexen, die hier mit wenig Aufwand das natürliche Gleichgewicht der Wasserverteilung durcheinander bringen konnten. Ein kleiner Bann auf der linken Seite, und schon floss ein Großteil der Schneeschmelze ins Schwarze Meer. Die Nordsee ging leer aus, bis sich eine der Hexen aus dem Norden nach Lech aufmachte und den Zauberspruch beendete oder, wie üblich, in die entgegen gesetzte Richtung lenkte. Dann sank der Wasserspiegel im Schwarzen Meer und die Nordsee rollte mit neuer Wucht gegen die Klippen und Deiche. Wenn es dann wieder soweit war, dass es im Schwarzen Meer nicht mehr für ordentliche Stürme reichte, wurde es in kürzester Zeit einer der Hexen in Constanza zu dumm. Dann reiste diese wieder an den Flexenpass, um die Wasserscheide zu manipulieren, und so ging das endlos dahin, bis es der Lechner Bevölkerung zu dumm wurde. Nicht die Wasserunterschiede in den fernen Ländern ärgerten sie, sondern die wütenden Hexen, die regelmäßig im Ort auftauchten und sich am Flexenpass zu schaffen machten – denn die waren ein unberechenbares Risiko für den Fremdenverkehr. Also errichteten sie eine Installation, die seit einiger Zeit jedem Wanderer erlaubt, mit seinen Händen die Wasser umzuleiten. Schaufelt er das Wasser nach rechts, fließt es ins Schwarze Meer, bewegt er seine Hände nach links, fließen die Wasser in die Nordsee. Durch die Beiläufigkeit, mit der die Wasser jetzt andauernd verändert werden, ist es den Hexen zu hektisch geworden, sich da auch noch einzumischen und dafür eine lange und unbequeme Reise auf sich zu nehmen. Es herrscht Ruhe auf dem Flexenpass, und die wilden Weiber treffen sich nur noch zum Feiern am Hexenboden – und da sind sie meist recht gut gelaunt.

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